27.05.2008
Neuer Absatzrekord in 2007 dank starkem Auslandsgeschäft
„Wir wollen führend in der Veränderung sein und dadurch führend in Europa“, sagte Dr. Bernhard Reutersberg, Vorsitzender des Vorstandes der E.ON Ruhrgas AG anlässlich der heutigen Jahrespressekonferenz des Unternehmens. Reutersberg will E.ON Ruhrgas zum Schrittmacher eines liberalisierten Gasmarktes in Deutschland und Europa machen. Dazu setzt er auf Innovationen im Vertrieb sowie die deutliche Ausweitung des Upstream-Engagements. Gleichzeitig stellte er erste Neustrukturierungen innerhalb der E.ON Ruhrgas vor.
E.ON Ruhrgas konnte das Adjusted EBIT 2007 um rund 10 Prozent auf rund 2,6 Mrd. Euro steigern. Während die Bereiche Upstream und Midstream vor allem preisbedingt unter dem Vorjahr lagen, konnte im Downstream-Beteiligungsbereich ein deutlicher Ergebniszuwachs verzeichnet werden. Dies ist insbesondere auf die positive Ergebnisentwicklung der ungarischen E.ON Földgaz-Gruppe zurückzuführen, die erstmals ganzjährig einbezogen wurde.
Die Ergebnisentwicklung im 1.Quartal 2008 spiegelt den Anstieg der Ölpreise auf ein Rekordniveau wider: Das Adjusted EBIT der E.ON Ruhrgas lag mit rund 1,0 Mrd. Euro um 10 Prozent unter dem Vorjahreswert (rund 1,1 Mrd. Euro). Obwohl der Absatz witterungsbedingt zugenommen hat, lag das Midstream-Ergebnis unter Vorjahr. Zum einen zeigt sich hier der wettbewerbsbedingte Druck auf die Verkaufspreise, zum anderen sind die Gasbeschaffungspreise der E.ON Ruhrgas weitaus schneller gestiegen als die Verkaufspreise an ihre weiterverteilenden Kunden. Reutersberg sieht daher in der guten Ertragslage 2007 kein Ruhekissen für die nächsten Jahre: „Unser Kerngeschäft ist von allen Seiten einem fundamentalen Wandel ausgesetzt. Deshalb stellen wir in allen Geschäftsbereichen die Weichen für die Zukunft.“
Regionale und kommunale Gasversorger werden durch den liberalisierten Gasmarkt immer stärker gefordert, neue Chancen am Gasmarkt zu nutzen. „Unsere Kunden brauchen heute Erdgas-Lieferprodukte, die ihre individuellen Marktstrategien flexibel unterstützen“, so Reutersberg. Bereits Ende Februar 2008 hat E.ON Ruhrgas ein neues, erweitertes Produktportfolio auf den Markt gebracht, das in den nächsten Monaten konsequent weiterentwickelt werden soll. Kunden können dabei selbst entscheiden, mit welcher Intensität sie am kurzfristigen Erdgashandel teilnehmen. E.ON Ruhrgas bietet die Möglichkeiten dazu und managt die Risiken.
Mit Blick auf die Erdgasbeschaffung plant E.ON Ruhrgas in Zukunft verstärkt in die Bereiche eigene Gasproduktion (Upstream) und Flüssigerdgas (LNG) zu investieren. „Wir agieren heute auf einem sich verschärfenden globalen Nachfragemarkt. Energiehungrige Schwellenländer wie China und Indien greifen auf die Ressourcen zu“, erklärt Reutersberg. Um die sichere Versorgung der Kunden auch in Zukunft sicher zu stellen, will das Unternehmen sein breit gefächertes Beschaffungsportfolio mit Erdgasbezügen aus Norwegen, Russland, den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark und Deutschland weiter ausdehnen. „Insgesamt haben wir von 2008 bis 2010 Investitionen von sechs Mrd. Euro vorgesehen. Das ist ein Rekord in der Firmengeschichte. Der Löwenanteil dieser Investitionen dient der Verbesserung der Versorgungssicherheit mit Erdgas in Europa“, so Reutersberg.
Durch die Zugehörigkeit zum E.ON-Konzern wachsen die Beschaffungsaufgaben der E.ON Ruhrgas im europäischen Ausland, etwa in Spanien und Italien. „Wir sind die Gaskompetenz von E.ON und liefern das Erdgas nicht nur nach Deutschland, sondern nach Europa und in alle erreichbaren Märkte“, sagte Reutersberg. Gleichzeitig gewinnt das ausländische Downstream-Beteiligungsengagement immer stärkere Bedeutung. Wachstumspotenziale sieht Reutersberg auch im Kraftwerkssektor, in dem Erdgas künftig seine Umweltvorteile voll ausspielen kann. Ein erstes wegweisendes Projekt in diesem Zusammenhang ist die Kooperation mit Gazprom zum geplanten Bau eines 1200-Megawatt-Gaskraftwerks in Lubmin.
Reutersberg stellte auch erste interne Neustrukturierungen innerhalb der E.ON Ruhrgas vor: „Wir müssen mehr Schlagkraft und mehr Eigenständigkeit in unsere Strukturen bringen.“ Ein Schritt in diese Richtung ist die Gründung der „E.ON Gas Storage“. Sie wird als eigenständige Speichergesellschaft die europaweiten Gasspeicheraktivitäten von E.ON übernehmen. E.ON Gas Storage wird ihren Geschäftsbetrieb in den nächsten Monaten aufnehmen und hat das Ziel, die Speicherkapazitäten des Konzerns für West-Europa mittelfristig zu verdoppeln.
Ein deutliches Signal setzt E.ON Ruhrgas auch für mehr Transparenz und Wettbewerb beim Netzzugang. Reutersberg: „Wir machen nicht so wenig wie nötig, sondern so viel wie möglich.“ E.ON Ruhrgas überträgt das inländische Netzeigentum an die bereits bestehende Tochtergesellschaft E.ON Gastransport. Dadurch wird sie Eigentümer und Betreiber des Gastransportnetzes und um alle Funktionen, die für den Netzzugang wesentlich sind, erweitert.
Die von der Bundesnetzagentur bekannt gegebene Absenkung der Eigenkapitalverzinsung bei der Anreizregulierung für Gasnetze wies Reutersberg als „nicht nachvollziehbar“ zurück. „Was beim Strom gilt, das gilt auch beim Gas: E.ON und mit ihr E.ON Ruhrgas werden nur dann in Netze investieren, wenn wir dabei Werte schaffen können.“ Reutersberg legte dar, dass ein Zinssatz von nominal 7,82 Prozent zu einer effektiven Eigenkapitalrendite von 3,82 Prozent führt. „Das ist weniger als der risikolose Zinssatz von Bundesanleihen. Solche Bedingungen gefährden den Ausbau der Netze und damit die Versorgungssicherheit mit Erdgas.“
Weitere Informationen und Bildmaterial: www.eon-ruhrgas.com