Es ist kaum vorstellbar, dass der wachsende Energiebedarf in Europa befriedigt werden kann, ohne auf das russische Exportpotenzial zurückzugreifen. Unser Vertrauen in eine Partnerschaft mit Russland schlägt sich nieder in unserer Absicht, die bestehende Zusammenarbeit auszubauen.
Mit der russischen Gazprom hat E.ON Anfang Juli 2004 ein „Memorandum of Understanding“ über die Vertiefung der Zusammenarbeit abgeschlossen.
Gerade die russische Gaswirtschaft steht vor einer gewaltigen Mobilisierungsaufgabe:
Die verbesserten Preis- und damit Erlösperspektiven geben der russischen Gaswirtschaft alle Chancen, ihre Aufgaben erfolgreich zu meistern. Dabei ist davon auszugehen, dass auch auf ausländisches Kapital und ausländische Technologie zurückgegriffen wird. Das ist auch möglich, ohne die russische Lenkungssouveränität dieses Wirtschaftssektors zu gefährden.
Besonders sensibel ist für Russland die Frage der Transitwege zu den Verbrauchermärkten. Bisher werden etwa 80 Prozent der Gasexporte ins so genannte ferne Ausland über die Ukraine transportiert.
Selbst nach Endausbau des ersten Strangs der über Belarus und Polen führenden Jamal-Europa-Leitung im nächsten Jahr werden dann nicht mehr als 20 Prozent der Exporte nach Europa über diese Leitung und weiterhin mehr als 70 Prozent über die Ukraine transportiert.
Vor dem Hintergrund der Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine, aber auch des nicht spannungsfreien Verhältnisses zwischen Russland und Belarus, ist es verständlich, dass Russland einen von Transitländern unabhängigen dritten Transportweg anstrebt, um zusätzliche Erdgasmengen nach Europa zu bringen. Die Nord Stream aus dem Raum St. Petersburg an die deutsche Ostseeküste hat deshalb in Russland hohe politische Priorität.
Aber auch bei guten und verlässlichen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Russland und der EU, insbesondere zwischen Russland und Deutschland, darf man die Frage der Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen nie beiseite legen. Diese muss aber im europäischen Kontext und darf nicht mehr national gesehen werden.
Heute liefert Russland etwa ein Viertel des Erdgasbedarfs der EU 25. Eine begrenzte Erhöhung dieses Anteils erscheint durchaus richtig und vertretbar, d. h. Russland kann nicht nur am Wachstum des Erdgasmarktes in Europa anteilig partizipieren, sondern seine Position relativ noch etwas ausbauen.