Gemälde von Vincent van Gogh

Vincent van Gogh, „Boote am Ufer“, 1888

Vincent van Gogh und die Moderne 1890 – 1914

Das Museum Folkwang Essen zeigte in der Zeit vom 11. August bis 4. November 1990 die Ausstellung „Vincent van Gogh und die Moderne 1890 - 1914“.

Die Ausstellung verfolgte zwei kunsthistorische Ziele:

  1. Erstmals wird die Wirkung unmittelbar aufgezeigt, die van Goghs Malerei auf die Kunst einer jüngeren Generation in Europa ausgeübt hat.
  2. Mit dem Blick eben dieser europäischen Avantgarde wird ein neues Verständnis für das Werk von Goghs eröffnet.

Van Goghs überragende Bedeutung für die Kunst der europäischen Moderne – der Impuls, der von seiner Malerei ausging - wurde bislang oft behauptet, aber selten belegt und nie in der ganzen Breite analysiert und veranschaulicht. Diese Lücke schließt die Ausstellung im Essener Museum Folkwang. Zu der Retrospektive, die in Amsterdam anlässlich des 100. Todesjahres von Goghs zu sehen war, ist sie eine Abrundung der Präsentation des Gesamtwerks dieses bedeutenden niederländischen Künstlers.

Ermöglicht wird diese Rekonstruktion eines kunsthistorisch bedeutsamen Moments mit Leihgaben aus Museen in Europa und Übersee durch die Unterstützung der Ruhrgas AG (jetzt E.ON Ruhrgas AG), Essen, dem langjährigen Mäzen des Museums Folkwang, aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der ersten Erdgasliefervereinbarungen zwischen den Niederlanden und der Ruhrgas AG (jetzt E.ON Ruhrgas AG).

Das Konzept der Ausstellung

Als Vincent van Gogh 1890 aus dem Leben schied, war sein Werk fast nur befreundeten Künstlern und den Zirkeln avantgardistischer Kritiker oder Literaten bekannt. Doch bereits Mitte der 90er-Jahre waren, wie Paul Signac in sein Tagebuch notierte, „die jungen Leute voll der Bewunderung für van Gogh“ („les jeunes sont pleins d'admiration pour ... van Gogh“). Die Auseinandersetzung mit van Gogh, die sich eine Zeit lang auf die Kreise niederländischer Intellektueller beschränkte, erfaßte nach der vielbeachteten Retrospektive bei Bernheim-Jeune 1901 die Kunstzentren ganz Mitteleuropas. Sie bewirkte einen wahren „Innovationsschub“, in dessen Zentrum die Gruppen der „Fauves“, der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ standen. Als van Goghs Ruhm in den Jahren 1905 bis 1908 einen Höhepunkt erreichte, beklagte man beinahe, daß „schon wieder van Gogh“ ausgestellt sei, und begann vor den Gefahren des „van Goghelns“ zu warnen.

Die sich gerade entfaltende Avantgarde der europäischen Moderne des beginnenden 20. Jahrhunderts findet in der Malerei van Goghs nicht nur Ermutigung, sondern sie erprobt und erweitert sich an ihr, um dann die jeweils eigenen Folgerungen für die eigenständige Entwicklung zu ziehen. So war van Gogh für viele Künstler nicht Vorlage, sondern Anregung.

In der Ausstellung „Vincent van Gogh und die Moderne 1890 - 1914“ wurden daher anhand einer Auswahl charakteristischer Werke van Goghs die unterschiedlichen Impulse aufgezeigt, die von seinem Oeuvre auf Künstler der europäischen Avantgarde ausgingen. Diese Impulse und ihre kreative Umsetzung werden im Werk der wichtigsten Künstler und Künstlergruppen innerhalb des entscheidenden Zeitraums zwischen 1890 und 1914 verfolgt.

Die Konfrontation der Werke van Goghs mit denen der jungen Künstler in Belgien, den Niederlanden, in Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz wird deren besonderes Interesse am Werk van Goghs ebenso erhellen, wie sich die Malerei van Goghs aus ihren Arbeiten dem Blick neu erschließen wird.

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