Gemälde von Paul Gaughin

Paul Gauguin, „Contes barbares, Exotische Sagen“, 1902

Paul Gauguin – „Das verlorene Paradies“

„Paradis perdu“ – so resümiert der Maler Paul Gauguin am Ende seines Lebens. 1891 ist der damals 44-jährige Franzose auf der Suche nach dem ersehnten Paradies in die Südsee aufgebrochen. Die zivilisatorische Last, auch die ihn quälenden Alltagssorgen, treiben ihn zur Flucht aus Europa. Als er in Tahiti ankommt, ist Gauguin geradezu „angewidert“ von „dieser ganzen europäischen Trivialität“, einer „verderblichen Tünche“, die „Ursprünglichkeit und Schönheit“ vollständig zu zerstören oder zu überdecken scheint (aus: „Noa Noa“).

Erst als der Maler sich weiter ins Landesinnere zurückzieht, glaubt er das ersehnte Paradies gefunden zu haben, aber: Das Paradies gibt es nicht. Denn auch auf Tahiti entkommt Gauguin nicht seinen Leiden und seinen finanziellen Schwierigkeiten.

Was die Wirklichkeit nicht einlösen kann, schafft Gauguin in seinen Bildern. Seine Flucht in ein erträumtes Paradies wird zu einer Flucht in die Erneuerung der Malerei. Das Geheimnis des Fremden, das Gauguin allenfalls erfahren, aber nicht durchschauen kann, bindet er an das Geheimnis der Farben. Dass Farben „seelische“ Bedeutung haben und die Welt auch ohne wortreiche Erklärungen interpretieren können, hat die Entwicklung der Malerei nachhaltig beeinflusst. Aber noch ein anderer Gesichtspunkt seiner Malerei ist von bleibender Aktualität: Die Suche nach den Spuren des Ursprünglichen, nach den Resten des Authentischen, nach der Heilkraft der Natur verbindet gerade heute vielfach die Kunst mit dem neuen ökologischen Gewissen der Gesellschaft.

Die Ausstellung im Museum Folkwang Essen zeigte rund 100 Exponate. Im Mittelpunkt standen über 50 berühmte Hauptwerke seiner Malerei, ergänzt durch Plastiken und die weltbekannten Drucke aus „Noa Noa“. Die Meisterwerke dokumentieren Paul Gauguins künstlerischen Weg von den ersten exotischen Landschaftsmotiven auf Martinique über die wichtigsten Jahre in der Bretagne bis hin zu seinem Tod 1903 in Atuana auf der Marquesas-Insel Dominique.

Zu den gezeigten Gemälden gehörten zahlreiche Werke, die noch nie in Deutschland zu sehen waren und auch bei internationalen Ausstellungen nicht gezeigt werden konnten. Leihgeber sind unter anderem das Israel Museum, Jerusalem, Puschkin Museum, Moskau, Museum of Art Toledo, Ohio, Museum of Art, Philadelphia, The Art Institute, Chicago, Eremitage, St. Petersburg, The Museum of Modern Art, New York, Courtauld Institute of Art, London, The Tate Gallery, London, Ordrupgaardsammlingen, Charlottenlund-Kopenhagen, National Gallery of Art, Washington.

Die Vertreibung des ersten Menschenpaares Adam und Eva in der Darstellung Cranachs stand am Anfang. Es folgten Bilder des Goldenen Zeitalters (16./17. Jh.) wie „Arcadien“ oder die „Sehnsuchtsinsel“ Cythera von Watteau. In den „Sehnsuchtslandschaften“ von Hans v. Marées „Hesperiden“ (1879/1884/87) schlägt die Hoffnung auf ein gültiges Paradies in verhaltene Melancholie um.

Gauguin war 1886 in die Bretagne entflohen, 1887 reiste er erstmals in die Tropen, nach Martinique. Die tradierten Paradies-Modelle trugen nicht mehr.
Mit mehr als 341.000 Besuchern reihte sich die Ausstellung „Paul Gauguin – Das verlorene Paradies“ in die Serie erfolgreicher Ausstellungen des Essener Museums Folkwang ein. „Unsere Erwartungen an den Erfolg der Ausstellung wurden deutlich übertroffen“, erklärte Dr. Georg W. Költzsch anläßlich der Abschlusspressekonferenz. „Eine Gauguin-Ausstellung in dieser Zusammenstellung wird es wohl nicht noch einmal geben!“

Das Museum Folkwang hat bereits kurz nach der Jahrhundertwende als eine der ersten deutschen Sammlungen Werke von Paul Gauguin erworben. Das Museum zeigte die erste Ausstellung in Deutschland mit den berühmtesten Gemälden Gauguins zu dessen 150. Geburtstag. Die Essener Ausstellung war in leicht veränderter Form ab November des gleichen Jahres in Berlin in der Nationalgalerie zu sehen.

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