Paul Cezanne, „Mardi Gras“, 1888
Nach den großen und erfolgreichen Ausstellungen zu Vincent van Gogh (1990) und Paul Gauguin (1998) widmet das Museum Folkwang - in bewährter Partnerschaft mit der E.ON Ruhrgas AG - nun dem dritten Begründer der modernen Malerei eine Schau: Paul Cézanne.
Mit über 100 Meisterwerken aus den wichtigsten Museen der Welt, darunter die Eremitage in St. Petersburg, das Metropolitan Museum in New York oder der Louvre in Paris, zeigt die Ausstellung „CÉZANNE – AUFBRUCH IN DIE MODERNE“ den Einfluss des Meisters auf die ihm folgende Malergeneration. In 15 thematischen Gruppen, angeführt von beispielhaften Arbeiten Cézannes, wird die formale Entwicklung und künstlerische Weiterverarbeitung seines Ceuvres aufgezeigt. Gemälde von Pablo Picasso, Georges Braque und Fernand Léger zeigen ihn als Vater des Kubismus; Arbeiten von Henri Matisse oder André Derain machen ihn als Vorläufer des Fauvismus begreifbar. Bereits einzelne Gegenüberstellungen von Gemälden der Ausstellung machen die Bezüge deutlich: Cézanne und Picasso, Cézanne und Matisse, Cézanne und Derain oder Cézanne und Léger.
„Mardi Gras“, seit der Gruppenausstellung von 1900 in der Berliner Galerie Cassirer nie mehr in Deutschland gezeigt, gehört zu den bedeutendsten Figurenbildern Cézannes. Dargestellt ist in der selbstbewussten Pose des Harlekins der 17-jährige Sohn des Künstlers, der von einem Freund in der Verkleidung als Pierrot begleitet wird. Nur wenige Jahre später, in seiner Rosa Periode, hat sich auch Picasso intensiv mit diesen Figuren auseinandergesetzt, die der Commedia dell ’Arte entstammen. Gegen Ende seiner kubistischen Periode nimmt Picasso das Thema erneut auf und malt 1918 den „Harlekin mit Halbmaske“ – eine souveräne Antwort auf Cézanne.
Es ist sicher kein Zufall, daß Cézannes „Dame in Blau“ und das „Portrait Madame Matisse“ von Henri Matisse einstmals dem bedeutenden russischen Sammler Sergej Schtschukin gehört haben, dessen Engagement für die französische Kunst der Jahrhundertwende bis heute unvergessen ist.
Während Cézannes „Dame in Blau“ sämtliche Merkmale seines konzentriert reifen Stils aufweist, gibt sich die Interpretation desselben Motivs von Matisse vergleichsweise kokett und unbeschwert. Beiden Werken gemeinsam ist jedoch die Sicherheit der Komposition und die meisterhafte Akzentuierung der Farbe.
Die Reduktion der Dinge auf ihre geometrischen Grundformen ist eines der wichtigsten Anliegen Cézannes in seiner konstruktiven Phase um 1880 – und für die Herausbildung des Kubismus eines der einflussreichsten Verfahren. Sein Ziel war es, Volumen und Räumlichkeit mit Flächen darzustellen, die mehr oder weniger parallel zur Bildoberfläche stehen.
Noch 30 Jahre nach Cézannes „Häusern in der Provence“ kommt André Derain zu einer Bildgestaltung, die in schönster Weise die Vorbildlichkeit des Meisters von Aix-en-Provence bestätigt.
Vor allem im Stilleben nimmt sich Cézanne die Freiheit, alle Detailformen seiner übergreifenden Vision eines harmonischen Bildganzen unterzuordnen. Wie bei kaum einem anderen Thema überwindet er hier die überkommenen Vorstellungen einer traditionsverhafteten Malerei. Zentralperspektive und Detailtreue werden zugunsten einer Synthese von Farbe und Form aufgegeben, die ihrerseits zukunftsweisende Lösungen wie etwa Légers „Obstschale auf dem Tisch“ erst ermöglicht hat.