Katharinenpalast

Pressekonferenz zum Abschluss der Rekonstruktionsarbeiten des Bernsteinzimmers

Zarskoje Selo/Puschkin, 13. Mai 2003

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Arbeit der letzten vier Jahre hat ihren Höhepunkt erreicht: Ich darf Ihnen heute die Vollendung des Bernsteinzimmers verkünden - das kunstvolle Meisterwerk der Bernsteinschnitzkunst ist wiederhergestellt.

Das Bernsteinzimmer wurde in der Vergangenheit mit vielen Superlativen bedacht:

  • „das Achte Weltwunder“
  • „das bedeutendste Geschenk Preußens an den Zaren“
  • „das Geheimnis des 20. Jahrhunderts“
  • „Symbol der Beziehungen zwischen Russland und Deutschland“.

Wir wissen nicht, welches Schicksal dem wiederhergestellten Bernsteinzimmer bestimmt ist, welche Worte die Zeitgenossen für den „Doppelgänger“ finden werden.

Fest steht für die Experten heute schon, dass in Russland mit der Schaffung des neuen Bernsteinzimmers eine einzigartige Schule von Restauratoren entstanden ist, die die verlorenen Handwerkskünste und Technologien des 17. und 18. Jahrhunderts ins Leben zurückgerufen haben. Sie schufen ein einzigartiges, überdimensionales Schmuckstück aus Bernstein, ein vielfarbiges Kunstwerk, zu dem auch die aufwendigen Steinarbeiten in der Technik der Florentiner Mosaike zählen.

In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Voraussetzungen für den Beginn der Restaurierungsarbeiten geschaffen, die bislang weltweit ohne Vorbild waren. Basis hierfür waren die Erfahrungen der Handwerksmeister des 17. und 18. Jahrhunderts, deren Techniken nachvollzogen wurden.

Die Wiederherstellung des Bernsteinzimmers war eine besondere Herausforderung für unsere Restauratoren, weil es sowohl ein Teil der Innenausstattung des Palastes als auch ein Kunstwerk ist. Von anderen Kunstwerken aus Bernstein hebt sich das Bernsteinzimmer vor allem durch seine Größe ab. Außerdem wurde die Aufgabe erschwert, weil es nur einige wenige Autorenzeichnungen und fotografische Darstellungen als Anhaltspunkte für die detailgetreue Nachbildung gab.

Es war notwendig, nicht nur die vergessenen Methoden der Bearbeitung des Bernsteins zu erlernen, sondern auch neue Techniken zu entwickeln, die die Dauerhaftigkeit des wiederhergestellten Bernsteindekors garantieren.

Die enorme Arbeit hat ein Vierteljahrhundert gedauert und ist jetzt zum Abschluss gebracht worden. Diese Jahre hatten einen besonderen Sinn und Inhalt für alle, die an dieser Arbeit beteiligt waren. Heute feiern wir den wichtigen Beitrag dieser Meister ihres Handwerks - der Wissenschaftler, Architekten, Baumeister und Maler - und erinnern uns an sie, denn sie sind die Elite unserer Handwerksmeisterkultur.

Das Bernsteinzimmer ist ein Symbol des Verhältnisses zwischen Russland und Deutschland. Das war so in der Zeit der Herrscher des russischen Imperiums und des Preußischen Koenigreichs, und so ist es auch heute, in der Zeit politischer Annäherung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Förderation.

Ganz besonderen Dank spreche ich der deutschen Gesellschaft Ruhrgas AG (jetzt E.ON Ruhrgas AG) aus, ohne deren finanzielle Unterstützung der heutige Tag noch in weiter Ferne liegen würde. Sie unterstützte die Wiederherstellung mit einer großzügigen Spende von 3,5 Millionen US-Dollar, und so konnten wir die Rekonstruktionsarbeiten pünktlich zum Jubiläum von Sankt Petersburg abschließen.

Wir sind stolz darauf, Ihnen heute erstmals das fertiggestellte neue Bernsteinzimmer präsentieren zu können. Seine Wiedereröffnung erfolgt am 31. Mai durch Präsident Putin und Bundeskanzler Schröder. Dann beginnt für das „Achte Weltwunder“ das Museumsleben.

Was wird das neue Bernsteinzimmer erwarten? Erweist es sich als die Kopie, die maximal dem Original angenähert wurde oder wird es das Kunstwerk der Bernsteinschnitzerei?

Sicherlich kann man bei der Betrachtung des Bernsteinzimmers nicht gleichgültig bleiben. Es ist unbestritten ein großes Meisterwerk, das durch Talent, Kreativität und Können seiner Schöpfer zu einem bedeutenden Gesamtkunstwerk gelungen ist.

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