Das Bernsteinzimmer des Katharinenpalastes von Zarskoje Selo bei St. Petersburg ist ein Meisterwerk barocker Raumausstattung. Der honigfarbene Werkstoff diente hier als Material einer Zimmertäfelung, die in der künstlerischen Qualität der Schnitzereien das Niveau des großen deutschen Bildhauers Andreas Schlüter erkennen lässt.
Im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts im Auftrag des ersten preußischen Königs Friedrich I. entstanden, erweckte das „prätieuse Bernstein-Getäffel“ schon bald die Begehrlichkeit des russischen Zaren Peter I. Friedrichs Nachfolger, der weniger künstlerisch als machtpolitisch ambitionierte Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., schickte die aus dem Berliner Schloss ausgebaute Wandverkleidung als diplomatisches Geschenk nach St. Petersburg. Hier ließ die Tochter von Peter dem Großen, die Zarin Elisabeth I., das Bernsteinzimmer von ihrem Lieblingsbaumeister Bartolomeo Francesco Rastrelli zunächst im Winterpalais einbauen und ab 1755 dann im neuen Sommerschloss in Zarskoje Selo installieren. Dort wurde es über fast zwei Jahrhunderte von aller Welt aufgrund seiner eigenartigen Schönheit bewundert. Im November 1941, bei Beginn der Belagerung von St. Petersburg, demontierten deutsche Truppen die Täfelung und brachten sie nach Königsberg. Zunächst in Teilen aufgestellt, ging sie beim Rückzug der deutschen Wehrmacht vor der Sowjetarmee im Jahr 1944 verloren. 1979 entschloss man sich in Moskau, das „achte Weltwunder“ auf der Grundlage von alten Plänen und Fotos zu rekonstruieren. 1997 kam das Projekt aufgrund von Finanzierungsproblemen ins Stocken. Doch 1999 ermöglichte die damalige Essener Ruhrgas AG durch eine Förderung von 3,5 Millionen US-Dollar die Fortsetzung und den glücklichen Abschluss der Arbeiten.
Am 31. Mai 2003, als Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag von St. Petersburg, fand die feierliche Eröffnung des rekonstruierten Bernsteinzimmers statt. Der Verlust des Originals gilt in der russischen Bevölkerung als Symbol für die Zerstörungen und die Leiden des Krieges. Und das finanzielle Engagement der Ruhrgas AG daher als bedeutender Akt der Wiedergutmachung und als Manifestation des Willens zu einer neuen Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht.